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Veröffentlicht am 12.09.2015 von nemesis

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Staatspunkrott – Nordost

Punk Rock mit rotem Faden

So kann man Nachdenklichkeit natürlich auch verpacken: Kraftvoll, dynamisch und unnachgiebig. Immer trotz aller „Abers“ auch stets die Gegenseite betrachten. Doch zurück auf Anfang: Staatspunkrott haben sich mit diesem Album inhaltlich der Zeit, in der man den endgültigen Schritt ins Erwachsenenleben vollzieht, gewidmet. Die Frage der weiteren Orientierung, in welchen Bahnen das Leben nun schlussendlich verlaufen soll, die ersten richtig wichtigen Entscheidungen im Leben, die anstehen.

Der zweite Track „Hier stirbt deine Jugend“ bringt eine der dazugehörigen Überlegungen knallhart auf den Punkt. Worte wie Musik öffnen einem die Augen dafür, dass es eben Zeiten gibt, in denen man neue Wege beschreiten muss und manches endgültig vorbei ist.

Tiefschürfende Themen

Die Punk Rocker gehen dabei auf unterschiedliche Betrachtungsweisen an diese Thematik heran. Sie beschäftigen sich mit dem Thema der Orientierungslosigkeit der jetzigen Twen-Generation, der Entscheidungsfaulheit – oder doch mehr der Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen? „Nordost“ bringt die Facetten dieses Prozesses im Leben sehr prägnant und tiefgreifend auf den Punkt. Die Band hat sich wirklich eingehend mit diesem Thema beschäftigt, nun dürfte alterstechnisch ja auch interessant und aktuell für sie selbst sein. Das Album stellt eine tolle Art und Weise dar, dies zu reflektieren und vielleicht den einen oder anderen Anhaltspunkt und Verständnis zu vermitteln.

Bodenständige Elemente

Ebenso vielseitig, wie die Thematik behandelt wird, zeigt sich auch das Songwriting. Mal dominieren sinnierende Parts, mal dynamisches Vorantreiben, auch die Projektion oberflächlicher Wesenszüge wird musikalisch glaubwürdig umgesetzt. Die Band schafft es mit diesem Scheibchen auf jeden Fall, absolut authentisch rüber zu kommen und das „Gesagte“ auch akustisch zu untermalen. Musikalisch haben Staatspunktrott eine Menge zu bieten und bedienen sowohl die Punk Rock-Szene wie auch den Metal mit einem Rund-um-Wohlfühl-Paket. Auf Effekthascherei und sonderliche Virtuosität durch x Instrumente wird verzichtet, das klassische Line-Up glänzt mit satten Klampfen, gutem, treibenden Riffing und gekonnt eingestreuten Soli bzw Nuancen. Dabei erinnert gerade deren Sound bei den Zwischentönen schon mal etwas an Metallica, die ähnliche, leicht sphärische Einsprengsel an manchen Stellen verwenden (oder verwendet haben, wie man es sehen möchte).

Sauberes Drumming

Relativ hell wirken die Drums an manchen Stellen, nicht blechern, aber der tiefe Wumms fehlt. Wobei dies absolut passend ist und den Songs einen leicht „fliegenden“ Charakter, eine gewisse Leichtigkeit trotz aller instrumenteller Intensität verlieht. Das Zusammenspiel ist absolut harmonisch, greift fließend ineinander, ergänzt sich zu Tracks mit umfassender Wirkung. Große songwriterische Neuigkeiten und Spielereien bei den Arrangements findet man hier nicht, hier steht eindrucksvolle, charismatische Songführung vor dem Wunsch, ein musikalischer Daniel Düsentreib zu sein. Zu vertrackte Elementenzusammenführung würde auch absolut nicht zum Sound von Staatspunkrott passen. Einzig die Gestaltung der Steigerungen und mancher Breaks lässt etwas Ideenreichtum vermissen, Doublebass-Parts sind absolut akkurat gespielt, stellen aber eher eine Seltenheit (wie bei „C4H10“) dar. Ansonsten gleichen sich diese Parts hin zu den Hooks schon ein bisschen. Das ist aber auch einzige Kritikpunkt, ansonsten: Viel Spaß beim Hören und schenkt den Texten ruhig mal etwas mehr Aufmerksamkeit.

Tracklist

  1. Nordost
  2. Hier stirbt deine Jugend
  3. Ohne Schlaf
  4. N.E.O.N.
  5. Generation S
  6. Flucht ohne Refugium
  7. Atem
  8. C4H10
  9. Meer aus Licht
  10. Satelliten

photocredit: https://www.facebook.com/staatspunkrott/photos

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