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Veröffentlicht am 17.09.2015 von nemesis

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Wizo

Ende im Gelände, aber nicht mit der Legende

Nach März diesen Jahres werden einige Fans in tiefe Depressionen verfallen. Wizo werden nach der Tour im März nicht mehr als Band weitermachen. Die Jungs haben beschlossen „dass wir uns fortan völlig darauf konzentrieren, als ‚Legende der glorreichen Neunziger’ in den Köpfen unserer Fans weiter zu leben. Der Kopf der Band, Axel Kurth hat für sich entschieden, diesen Abschnitt seines Lebens, seine Zeit mit Wizo hinter sich zu lassen.

„Nach 18 Jahren Stress, Spaß und Skandalen mit Wizo ist mir das Medium ‚Punkrockband’ endgültig zu reaktionär und vor allem zu langweilig geworden. Punk bleibt meine Lebenseinstellung, Zeit für was Neues.“

Was für die Fans unerfreulich ist, muss ja schließlich nicht auch immer selbiges für die jeweiligen Künstler sein, auch wenn es nach wie vor Anhänger gibt, die meinen, die einzig wahre Pflicht eines Musiker oder einer Band bestehe darin, dem Fan einen Gefallen nach dem anderen zu tun. Seit 1985 haben sich Wizo genau einer Sache verschrieben: Das zu tun, was sie wollen und sonst nix. Im Genaueren wollten sich die drei aus Sindelfingen niemals den Spaß an der Sache durch jemand anderes verderben lassen. Gerade in der Musikszene eine löbliche und wohl auch lebenswichtige Einstellung. Punkrock heißt nach ihrer Meinung nach „alles zu machen, worauf wir Lust haben.“ Tja, die Attitüde, keine Regeln, keine Grenzen ist doch auch eigentlich gerade das, was Punkrock ausmacht.

Eigenes Label

Nach einiger Zeit mit diversen Konzerten, Demo-Aufnahmen etc machten sich Wizo schlussendlich doch mal daran, dass für sie passende Label zu suchen. Oder halt! Nein, gesucht hat man nicht. Die Burschen machten sich selbst an die Arbeit und gründeten eine eigene Plattenfirma mit dem schnuckeligen Namen Hulk Räckorz. Neue Deutsche Rechtschreibung doch schon früher im Anmarsch gewesen, was? Die erste EP der Band wurde 1989 in einem Kellerstudio in Stuttgart aufgenommen, der Song, der die Aufmerksamkeit der Szene allerdings am meisten auf die Combo lenkte, war ihr Cover von Ace Of Spade´s „All That She Wants“, das erst vier Jahre später auf dem Markt erscheinen sollte. 1993 schaffte es das Video sogar in die Playlisten von MTV.

Doch wie es auch heute meistens noch ist und auch immer war: Die beste Promotion sind nicht immer nur die Medien, so richtig wichtig dagegen ist die Live-Präsenz einer Band und Wizo standen immer für viel Dynamik und mitreißendes Feeling bei ihren Konzerten, mit denen sie eben genau die Leute erreichte, für die die Musik auch gedacht war. Menschen, die den Punkrock in seiner ursprünglichen Form mochten, lebten und dem ganzen neuen Krempel eher wenig abgewinnen konnten. Punk als Lebenseinstellung und nicht als Trend, auf den man aufspringt und wieder runter hüpft, wie man gerade lustig ist. Was eigentlich einen echten Künstler also ausmacht, war auch für Wizo Gesetz.

Wizo und die Chaostage

Nach eigenen Worten ist die Band „links, gegen Nazis, Rassisten, Sexisten und andere Arschlöcher.“ Klare Ansage. 1994 machten Wizo abermals einen großen Sprung nach vorne, ihr Album „UUAARRGH!“ verkaufte sich an 100.000 mal. An den Chaostagen im selben Jahr schaffte es die Musiker zudem, sich an den Polizeisperren vorbei unter die Leute zu mischen und vor Ort ein Konzert zu geben. Aufmerksamkeit war ihnen garantiert.

Ihr Song „Kein Gerede“ vom Debut „Für´n Arsch“ brachte ihnen allerdings im gleichen Jahr noch eine Klage wegen „illegaler Anti-Staats-Statements“ ein. 1995 gestaltete sich nicht minder aufregend, zwei Konzerte mit den Punk-Helden Amerikas, NOFX, standen auf dem Programm. Und das lief gleich so gut, dass Fat Mike beschloß, mit seinem Label Wizo in die ganze Welt zu bringen. Die beiden Bands kamen wunderbar miteinander aus und so ließen sich Wizo zum ersten Mal auf einen Vertrag mit einer großen Plattenfirma ein.

Im nächsten Jahr folgt ein Line-up-Wechsel an den Drums, es folgte eine ausgiebige Tour durch Amerika, Japan und Europa. Für das Bizarre-Festvial 1998 war geplant, dass der WDR die Show der Band aufzeichnen sollte, die Kameramänner hielten aber anscheinend nichts von den Vereinbarungen mit der Band, was wiederum zu einem Ausbruch von Sänger und Gitarrist Axel und Basser Jörni führte, der einigen der TV-Leutchen nicht so gut bekam. Aufzeichnungen schön und gut, doch vor lauter Kameras hätte das Publikum vor Ort doch bitte eigentlich auch noch was von Band auf der Bühne sehen sollen. Ab und an äußerten sich Wizo, sie würden nun erstmal auf das Ende der Punkwelle warten – nun machen sie ihr eigenes. Doch so ganz aus dem Musikzirkus weg – das kann man sich eigentlich null vorstellen.

photocredit: By WIZO / Axel Kurth c/o: Hulk Räckorz & punk.de [GFDL], via Wikimedia Commons

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