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Veröffentlicht am 07.03.2017 von nemesis

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The Traceelords

Auch mal auf zu anderen Ufern

Lang, lang hatte es gedauert, bis The Traceelords wirklich einmal an die Öffentlichkeit treten sollten. Allerdings waren die Musiker, die dieses Punk-Baby aus der Taufe gehoben hatte, wahrlich keine unbeschriebenen Blätter – nur eben an sich in einer anderen musikalischen Richtung unterwegs. An sich sollte das keiner so genau nicht wissen, aber es war an sich eh immer ein offenes Geheimnis, dass sich die beiden Powergod-Jungs Haan Hartmann und Andy Brings hinter The Traceelords steckten.

So also ein kleines Portrait zu dieser Band – beginnen wir beim ersten Album….

Die erste Scheibe der Combo um Sänger/Gitarrist Andy Brings (Ex-Sodom) war in trockenen Tüchern, und nun galt es nur noch, den passenden Vertrieb oder ein Label zu finden. Sowohl Andy als auch Drummer Haan Hartmann waren in der Metal-Szene bekannte Gesichter, und wer sich ein wenig mit diversen einschlägigen Gazetten beschäftigt, dürfte schon ein die beiden Pseudonyme Hama Hart und Riff Randall gestoßen sein.

Mehr sollte nicht verraten werden, denn die beiden Mucker stehen nach wie vor zu der Einstellung, dass die musikalische Vergangenheit keine Rolle spielen sollte, wenn es um eine neue Band geht, die einfach durch gute Musik bestehen und überzeugen sollte. Während Andy bei besagter anderer Combo nur für die Klampferei zuständig ist, übernahm der eingefleischte Ally McBeal-Fan bei The Traceelords auch die Vocals.

„Daddy Cool“

Schwer, gute Sänger zu finden

Wie es sich gehört, musste natürlich auch ein anderer Name her, flakste der Musikus, also hieße er nun Ändy. „Einiges des Traceelords-Material entstand bereits nach meiner Zeit mit Sodom, ich schleppte die Songs also zum Teil schon an die fünf Jahre mit mir herum bis es ans Eingemachte ging. Als die Stücke geschrieben habe, habe ich sie auch gesungen und auf meine Stimme ausgelegt. Bis jetzt hat keiner gesagt, ich solle die Schnauze halten. Außerdem ist es wirklich schwer, gute Sänger zu finden. Als damals das Sodom-Jubiläum, es ist davon auch ein Video erhältlich, von statten ging, habe ich mit Blind Guardian einen Songs von Kiss gesungen. Ich weiß allerdings nicht so ganz, weshalb dieser Track nicht auf dem Jubiläumsvideo ist. Vielleicht weil Hansi (Kürsch, Blind Guardian) besoffen von der Bühne gefallen ist.“

Während man Andy bisher eher als Vertreter der metallischen Ecke kennt, ging es mit Traceelords voll in die punkige Ecke, allerdings hob man sich hier schon allein aufgrund der Vocals von vielen anderen Vertretern dieses Genres ab. „Ich habe keine harte Stimme, und vielleicht ist das genau die Originalität zu der rotzigen Mucke, wodurch man sich von anderen Bands aus diesem Bereich abheben kann. Bei manchen Tracks klingt meine Stimme allerdings schon recht schlagermäßig mit Bohlen-Breitseite. Ich hoffe aber wirklich, dass man durch diese Kombination eine eigene Nische findet.“ Manchem mag der Name Traceelords vielleicht bekannt vorkommen, war die gute Lady (Traci Lords) als Porno-Schauspielerin unterwegs. Jedenfalls fand es Andy, äh Ändy, witzig…

Warum zweimal die gleiche Suppe?

„wenn man den Namen der Band erwähnt und in den Augen der Leute sehen kann, was sie sich vor einigen Jahren in der Glotze reingezogen haben. Ich selbst kenne Traci Lords nur aus einem Artikel im Stern.“ Ja, genau. „Mittlerweile übernimmt Traci Lords Parts in anständigen Filmen, allerdings spielt sie dort meist auch die Schlampe. Der Grund, weshalb wir uns für diesen Namen entschieden haben, ist, dass er wild klingt und einfach ein witziges Wortspielt darstellt.“ Weshalb man mit The Traceelords stilistisch in eine ganz andere Ecke rennt als mit Band No. 1, wird auch gleich erklärt:

„Mr. Marple“

„Ich finde es ziemlich doof, wenn man zwei Bands am Start hat, teils mit denselben Musikern und sich nicht einmal die Band-Fotos, geschweige denn die Musik, voneinander unterscheiden. Wir wollen weder mit unserer musikalischen Vergangenheit, noch mit ähnlicher Mucke, wie wir sie mit unserer anderen Band verbratzen, Fanübergriffe starten. Wobei einem dieses Versteckspiel und die Pseudonyme schon fast wieder angekreidet werden. Obwohl man eben nur durch die Musik an sich bestehen will.“ Wobei der Mucker auch gerne als Rebell in der Szene durchgeht, allerdings nicht im aufgesetzten Sinn. „Wenn es die Etikette verlangt, Nieten zu tragen, rücke ich lieber mit Bundfaltenhosen an.“

Do It Yourself – wenn´s nicht anders geht

Wie es nun mit den Traceelords weitergehen soll, ob Vertrieb oder Label sollte sich noch entscheiden. Für die Band ist beides gleich gern gesehen. „Natürlich wäre es toll, wenn jemand kommt, für die Band Geld locker macht und uns zu verstehen gibt, dass er an uns glaubt. Allerdings wäre es schon eine tolle Sache, wenn unsere Scheibe in den Läden vertrieben wird. Es ist auch okay, selbst etwas zu tun. Sobald man irgendwo unterschreibt, ärgert man sich doch nur. Wenn andere, wie etwa das Label, etwas für einen tun, kann es doch eh nie genug sein. Wenn man sich allerdings selbst um etwas kümmert, schätzt man das ganz anders ein. Ich habe auf jeden Fall nichts dagegen, mit der Musik Geld zu verdienen. Wenn es sein muss fahren wir eine ganze Woche durch die Pampa und stellen die Scheibe selbst in alle Läden.

„I Need Love“

Wir sind Fans von Loyalität und gutem Benehmen. Wir würden nicht alles für Erfolg tun. Ich bin der Meinung, dass man sein Glück nicht auf dem Unglück anderer aufbauen kann. Auch was unser eigenes Studio betrifft: Wir sind nicht die Typen, die einem vornherum Honig ums Maul schmieren und schöne Augen machen, um hintenrum anders zu handeln. Uns wurde schon des Öfteren mangelnde Diplomatie vorgeworfen. Manche belächeln uns auch. Wenn wir eine neue Scheibe fertig haben, schicken wir sie zum Beispiel nicht an das Label, sondern bringen das Material persönlich hin. Wir fahren auch gerne einige Kilometer, um potentielle Geschäftspartner kennenzulernen.

Es muss nicht immer kompliziert

Ich bin kein Weekend-Warrior oder Feierabend-Rocker. Wenn man Einsatz von anderen erwartet, sollte man auch selbst bereit sein, Einsatz zu bringen. Man muss dabei aber auch unterscheiden, was wichtig ist und was nicht. Was anderen zu blöd ist, machen wir. Zum Beispiel auch unsere Texte. Wer würde schon einen Song schreiben wie: All I Need Is Your Telephone Number? Es ist eine Situation, die jeder kennt: Man sitzt in einer Bar, sitzt ein tolles Mädchen und denkt sich, dass alles, was man eben noch braucht, die Telefonnr. der Perle ist. Texte sollten irgendwie eingängig sein. Es gibt Slayer-Songs, die mir gut gefallen, die ich aber nicht einmal komplett mitsingen kann. Ich persönlich mag Songs, die sich um Liebe drehen, warum sollte man das mit gestelzter Sprache komplizieren?“

Gerade was den geschichtlichen Bereich betrifft, ist Andy der Meinung, dass eigentlich schon alles abgegrast wurde: „Man sollte aufpassen, dass man nicht gefährliche Halbwahrheiten verkauft. Ich frage mich, was in dieser Hinsicht von manchen Metal-Bands als nächstes kommt: Die Kohl-Trilogie?“

Die Band:

Gesang, Gitarre: Andy Brings
Schlagzeug: Haan Hartmann
Bass, Gesang: Slick Prolidol
Gitarre: Christof Leim

Alben:

Samplerbeitrag zu KISS Deutschland – a tribute to Kiss (I want you)
Sex, Money, Rock’n’Roll
Samplerbeitrag zu Motörmorphosis – a tribute to Motörhead Part 2 (Please don’t touch)
When exactly?!
Get out alive
Refuse to Kiss Ass
The Ali of Rock

photocredit: Jirjen [Public domain], via Wikimedia Commons

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