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Veröffentlicht am 15.09.2015 von nemesis

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Interview Vicky Vomit

Sound mit Eiern

Sich wie die Kuh zum Eier legen anzustellen ist noch lange nicht das gleiche wie ‚Wir bekommen ein Ei’, die neue Scheibe von Vicki Vomit. Ersteres bedeutet, gar nix auf die Kette zu kriegen, Vickis aktuelle Langrille hingegen dürfte den Geschmack der Fans wieder voll und ganz treffen. Auch wenn einen das Teilchen zu Beginn erst mal mit Elektro-Pop-Geballer und Chartmelodie ein wenig strapaziert.

Doch auch das hat seinen Grund: „Bei manchen Songs möchte ich die Unterschiede zwischen Musik und Text extrem klar gestalten, so kommt eben das erste Stück wie aus Modern Talking´s Hand daher, die Lyrics allerdings sind doch eher bitter.“ Gerade die Texte sind es auch, die nicht wenigen, ein schmunzelndes Kopfnicken ‚abverlangen’, kommt doch selbst ab und an mal die liebe Prominenz an die Reihe, wenn Vicki deutliche Worte ablässt. Nach drei Jahren ist ‚Wir bekommen ein Ei’ die erste Band-Scheibe, nachdem Vicky zwischendurch noch einen Solo-Live-Mitschnitt präsentierte.

Aus den Vollen schöpfen

„Zu Beginn erschien jedes Jahr eine neue Platte, was nun mal auf Dauer auch zu Lasten der Qualität geht. In solchen Situationen bleibt es nicht aus, dass auch mal Füllmaterial auf einer CD landet. Mehr Zeit bedeutet am Ende einen größeren Fundus an neuen Songs, aus denen man dann wirklich die besten auswählen kann. Mittlerweile bin ich weg von meinem vorigen Label und bei Goodlife unter Vertrag.

Ich habe hier schon allein bei der Gestaltung der CD-Preise Mitspracherecht, was ich früher nicht hatte. Es ist einfach unmöglich, wenn ich in einen Plattenladen gehe und unsere ersten CDs nach Jahren immer noch für 15 oder 20 Euronen rumstehen sehe. Nun kann man eben in Absprache etwa zwei Jahre nach dem Release mit den Preisen runter. Zwar verdient dann jede Seite ein bisschen weniger dran, aber das ist es wert.“ Und noch etwas spricht für den Wechsel zu einem kleineren Label:

Ein Recht auf Musik

„Ich habe keinen Knebelvertrag, das heißt, ich könnte jederzeit raus, wenn ich wollte. Doch darum geht es gar nicht. Es muss einfach nicht jedes Jahr einen neuen Release geben, ich habe die Möglichkeit, das so zu gestalten, wie ich es für richtig halte. Die Verkaufszahlen sind auch nicht runter gegangen im Vergleich zu meinem vorhergehenden Deal. In meinem Fall geht es aber auch nicht mehr darum, eine Band vorzufinanzieren, das ist bei jungen Combos wichtig, die nicht die Asche für eine anständige Produktion haben.

Ich selbst lebe in erster Linie von den Live-Auftritten und ansonsten gibt´s eben einen vereinbarten Prozentsatz an den verkauften CDs.“ Nach Vickis Meinung hat sich die Plattenindustrie absolut keinen Gefallen mit den derzeit recht hohen CD-Preisen getan, zumal „die Leute ein Recht auf die Musik haben.“ Doch relativierter diese Aussage auch wieder, denn so mancher Nasenbohrer sieht eine solche Aussage eines Künstlergleich wieder als Brenn-Freifahrts-Schein.  „Es ist schlimm, wenn gerade das Material junger Bands ständig kopiert wird, da hier von den Verkaufszahlen einfach alles abhängt.

Ewiger Kreislauf

Ohne Verkäufe keine Tour, ohne Tour weniger Promo, dadurch noch weniger Verkäufe, geschweige denn die Möglichkeit, live mal ein bisschen Geld für die nächste Veröffentlichung reinzubekommen.“ Und gerade im Live-Sektor bietet Vicki einiges mehr als nur Musik. „Wir haben bereits zu Beginn mit optischen Effekten bei Konzerten gearbeitet. Mit dem zweiten Line-up – die Band besteht eigentlich nicht aus festen Mitmusikern, es ändert sich ständig was – habe ich die Geschichte noch vertieft. Es ist eine bunte Unterhaltungsshow, bei der die Songs sehr textbezogen sind und insgesamt verläuft alles immer sehr grenznah zur Comedy. Wobei hier als erstes die Lyrics wirken sollen und mit dem entsprechenden Sound vermischt sind – von Punk über Heavy Metal, Jazz und Gothic-Anleihen.“

Und all diese Stile findet man auch auf ‚Wir bekommen ein Ei’ – und wer meint, die humoristische Seite von Vicki Vomit sei genauso plumb wie Stefan Raab, irrt sich gewaltig. Direkt ist die Sache teils ohne Frage, das durfte auch schon Claudia Nolte spüren.

photocredit: By Anja Pankotsch (privat) [Public domain], via Wikimedia Commons

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