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Veröffentlicht am 17.11.2015 von nemesis

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Godless Wicked Creeps

Punkabilly aus Dänemark

Es gibt ja Leute die sagen, dass die Dänen außer Faxe-Bier, Kopenhagen und einer immer noch recht guten Fußball-Nationalelf sonst nicht viel zu bieten haben. Nicht mal richtig Autofahren soll man können, denn der Bleifuß auf dem Gaspedal ist verboten, weil man sonst nicht mehr rechtzeitig bremsen kann und irgendwo wegen ausgehender Strassen in der Ost- oder Nordsee landet. Das stimmt nicht so ganz, denn das Königreich hat auch einiges auf dem musikalischen Sektor zu bieten. Und das müssen nicht immer nur die Pretty Maids sein.

Dänemark hat schon immer eine große Tradition in der Alternativ- bzw. Undergroundszene. Bands wie die Schwarzmetaller Illdisposed, Hardcorer wieBarcode, die Funrocker Hellacopters oder die Flaming Sideburns sind auch über Landesgrenzen hinaus recht bekannt. Die Ska- und Punkszene siecht im Gegensatz zum Ursprungsland England nicht einfach so dahin, sondern lebt. Grund genug also, sich auch mal wieder an ihre Punk-Aushängeschilder, Godless Wicked Creeps zu erinnern und den Werdegang der Wegbereiter für viele Bands aus deren Mund aus der Versenkung zu holen.

Die Anfänge

„Seit 1993 gibt es uns bereits“, erzählte mir damals ein gut gelaunter Lars, Frontmann der G.W.C., als er abends um 22.00 Uhr durchklingelte. „ Die Band entstand aus einer Laune heraus, wurde gegründet von Schlagzeuger Martin Budde, und Basser Kim Kix, sowie Dax Dragster. Ich selbst kam erst 1998 zur Band.“

1994 kam die erste CD Victim Of Science auf den Markt. „ In Dänemark fand sich kein Label, dass die Godless Wicked Creeps unter Vertrag nehmen wollte. Aber in Deutschland bissen Crazy Love Records an. Die veröffentlichten zuerst eine 7-Inch-Vinylscheibe, auf der noch zwei weitere Bands vertreten waren und die sich recht gut verkaufte. Im gleichen Jahr erfolgte dann die Veröffentlichung von Victim of Science als erste CD des Labels überhaupt.

Der Durchbruch im Norden

Ein Jahr später kam dann das saustarke Album Hellocoholic auf den Markt, was für die Band zumindest in den nordischen Gefilden den Durchbruch bedeuten sollte. Was die Band auszeichnet, ist ihr enormes Live-Potential gepaart mit einer verrückten Show, bei der man auch heute noch nie vorherahnen kann, was auf der Bühne passiert. Diesen Ruf als erstklassige Live-Mucker hat sich die Band hart erarbeitet und wie Lars seinerzeit betonte: „Wir sind der Meinung, dass man den Fans, den Leuten, die auf unsere Konzerte kommen, auch für ihr Geld etwas bieten muss. Und weil wir selbst viel Spaß auf der Bühne haben, entsteht auch recht schnell eine gute Konzertatmosphäre, zumal wir unser Publikum immer mit in die Show einbeziehen. Andererseits nehmen wir uns selbst nicht so wichtig und gehören ganz bestimmt nicht zu der Sorte von Musikern, die unbedingt eine immens aussagekräftige Botschaft rüberbringen müssen.“

„Wir machen unser Ding in erster Linie wegen des Spaßes und der Vorliebe für diese Art von Musik.“

Die End-Neunziger

1997 erschien dann das dritte Album Hysterio, ein Album, dass die Band noch weiter nach vorne bringen sollte. Hatten die Jungs bis dato so gut wie ganz Europa (inklusive England!) mit zahlreichen, gut besuchten Touren abgegrast, so bot sich dann 1998 die Gelegenheit auch ausgiebig die USA zu betouren.

„1998 war ein denkwürdiges Jahr für G.W.C.“, fährt Lars fort, „die Band hatte es auf der einen Seite auch international bis rüber in die Staaten geschafft, auf der anderen Seite verließen ein paar Musiker die Band. Erst sprang der frühere Gitarrist Thomas (Mejer) ab, ihm folgte der Sänger. Und so kamen Nik the Kid und ich in die Band. Mein Bruder Kim (Kix) hatte mit mir noch eine andere Band namens Lez Boomerang, dort sang ich aber nicht, sondern spielte Schlagzeug.“

Bäumchen-Wechsel-Dich

Vom Drummer zum Sänger, das kennt man eigentlich nur von Phil Collins. „Richtig, aber was sollte ich machen, mein Bruder brauchte einen Sänger, der Job des Schlagzeugers war ja schon von Martin Budde besetzt und Gitarre spielen, vergiss es, meine Fähigkeiten waren nicht gerade berauschend… Übrigens spielte Martin nicht nur Drums, sondern auch exzellent Keyboards. Vielleicht habe ich mal ‚ne Chance, wenn er sich ganz für die Tasten entscheidet…“ Wieder folgten Touren in Europa und ein zweite Tour in Amerika, wo man unter anderem auch in Seattle, der Heimat des Grunge und der Multi-Kulti-Stadt San Francisco auftrat.

Der vierte Punk-Streich

Im Herbst 2001 veröffentlichte dann das Diehard Music – Label Lucky Seven die vierte CD der Godless Wicked Creeps „Smile“, unter der Regie von Tommy Hansen, der auch schon mehrfach mit Helloween gearbeitet hatte. Eingespielt wurde das Album in den Jailhouse Studios in Horsens, Dänemark, die auch über die Landesgrenzen hinaus recht bekannt sind.

Nun könnte man ja meinen, dass sich ein Metal-Produzent nicht unbedingt als Ideal-Besetzung für eine Punkabilly-Band anbietet, aber….

„Als wir uns für Tommy Hansen entschieden haben, bekamen wir das natürlich auch von verschiedenen Seiten zu hören. Für uns aber war ausschlaggebend, dass er egal, was er produziert hat, sehr gute Arbeit abgeliefert hat und zweitens von unserem Material recht angetan war. Jeder der sich Smile anhört, muss doch zugeben, dass die Scheibe nach uns und nicht irgendeiner Heavy Metal-Kombo klingt. Wir hatten ganz klare Vorstellungen wie unsere Musik klingen muss, Tommy hat erst gar nicht versucht, das zu ändern, wir hätten das erst gar nicht zugelassen. Aber diese Problematik stellte sich auch nicht. Für uns war bei der Produktion der neuen Scheibe wichtig, dass sie gut klingt und Druck macht. Klar, Tommy hat uns den einen oder anderen Vorschlag gemacht, wie dies und jenes klingen könnte, wenn man diesen oder jenen Effekt benutzt.“

„Wo es reinpasste haben wir uns gerne seiner Ideen oder Vorschläge bedient. Ansonsten ist die Scheibe durch und durch Godless Wicked Creeps.“

Live-Flair im Studio

Dem muss man einfach zustimmen. Überhaupt klingt das Album keineswegs überladen mit x-fachen Samples oder 100.000fach gedubten Gitarren. Vielmehr hat man den Eindruck, als wenn die Scheibe so eingespielt worden wäre, damit sie auch live so gespielt werden kann, wie sie aufgenommen wurde.

„Das genau ist es, George, was wir mit Smile erreichen wollten. Wir gehörten nicht zu den Bands, bei denen der Live-Mischer dauernd irgendwelche Bänder einspielen muss, nur damit annähernd der Sound erzielt wird, der auf der Scheibe zu hören ist. Punk, Punkabilly lebt ja nicht zuletzt aus der Rohheit, Direktheit der Musik. Für irgendwelche technischen Spielereien und überladenen Sound ist da kein Platz. Wer uns live hört, bekommt Musik ohne viel Mätzchen serviert. Wer riesigen technischen Aufwand will, der kann sich ja YES ansehen. “

Tja und das genau ist es, was die Godless Wicked Creeps so interessant machten und aus der Masse der gleichgeschalteten, nach Band XY klingenden Kapellen hervorhob: Musik reduziert auf ein maximal machbares Minimum. Klingt wie ein Widerspruch, ist aber keiner. Auch wer mit Punk, Punkabilly nicht so viel am Hut hat, der sollte sich, wenn er die Gelegenheit hat, unbedingt den Sound der Godless Wicked Creeps geben. Er wird’s ganz bestimmt nicht bereuen.

photocredit: https://www.facebook.com/208806435825811/photos/pb.208806435825811.-2207520000.1447758272./779463992093383/?type=3&theater

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